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Berichte

2. HALBJAHR 2011

63. Bericht

Staatsverschuldungskrise ohne Ende?!
Das Schlimmste der Finanzkrise schien bereits überwunden zu sein, da reihten sich ab Frühjahr weitere Krisenherde auf! Nachdem uns bereits im 2010 die missliche Situation des dramatisch ansteigenden Frankenkurses und damit als logische Folge Währungskursverlusten in allen andern Währungen belasteten, setzten sich im 2011 die Währungsverluste erdrutschartig fort! Dem also nicht genug folgten verschiedene politische Einflüsse in Nordafrika und die dramatische Naturkatastrophe von Japan, welche ganz massiv auf die Kursgewinne drückten. Als folge der Nervosität an den Börsen fand mit den Staatsverschuldungen in den USA, aber auch mit den als Epizentrum aller Staatsverschuldungen geltenden Euro-Ländern, einen geradezu dramatischen Kurssturz statt.

Die europäische Schuldenkrise war aber keinesfalls ein völlig anders gelagertes Ereignis, das einfach zufällig etwa zur gleichen Zeit ablief wie die Finanzkrise. Dessen Heftigkeit aber kann nur verstanden werden, wenn man die jüngere Geschichte der Europäischen Währungsunion (EWU) betrachtet.

Seit der Einführung des Euro bauten sich in der Währungsunion, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, gewaltige makroökonomische Ungleichgewichte auf, die der tiefer liegende Grund für die Krise im Euroraum sind. Die Finanzkrise trug dazu bei, dass die Korrektur dieser Situation schockartig verlief. Entscheidend für das Überschuldungsdrama, insbesondere in den südlichen Ländern Spanien, Portugal und Griechenland war das plötzlich und drastisch sinkende Zinsniveau. Der dramatische Fall des Zinsniveaus in diesen Ländern hatte einen einfachen Grund. Mit der Aufgabe der eigenen Währung verschwand für die Anleger das Risiko von Wechselkursanpassungen. Die im Vergleich zu Deutschland historisch lockere Geldpolitik der südlichen Länder führte vor Einführung des Euro zu einer laufenden Abwertung von deren nationalen Währungen und damit zu einer Entwertung der auf diesen Anleihen bezahlten Zinseinkommen. Die Anleger liessen sich für dieses Abwertungsrisiko entschädigen, indem sie von den GIPS-Ländern (Griechenland, Irland, Portugal, Spanien) höhere Zinsen verlangten. Sobald aber diese Länder die gleiche Währung hatten wie Deutschland, gab es kein Abwertungsrisiko mehr und damit glichen sich die Zinsen dieser Länder sofort den deutschen Zinsen an. Bei Ausbruch der Krise zeigte sich jedoch, dass diese Situation fatal war.

Für die Volkswirtschaften der GIPS-Länder wirkte dieser drastische Zinsrückgang nach Einführung des Euros äusserst stimulierend. In den Jahren nach der Zinsanpassung verzeichneten diese Länder einen eigentlichen Boom. Die Nachfrage im Inland erhöhte sich stark, da die tiefen Zinsen die Investitionen und den Konsum ankurbelten. Der Boom im Inland war die Quelle für den Aufbau der Ungleichgewichte. Diese entstanden auf zwei Ebenen. Erstens reduzierte sich die Wettbewerbsfähigkeit der GIPS-Länder und zweitens wurden die Staatsausgaben in völlig unnachhaltigem Ausmass ausgeweitet.

Die zusätzliche Nachfrage aufgrund der Zinssenkung im Inland war so stark, dass die Produktion kurzfristig nicht Schritt halten konnte. Die logische Folge war ein Anstieg der Preise und Löhne. Diese Inflation hatte eine unangenehme Nebenwirkung. Sie führte zu einer sich laufend verschlechternden Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure in den boomenden GIPS-Ländern. Das ist der absolut entscheidende Punkt für das Verständnis der Hintergründe der Eurokrise. Ist die Inflation in einem Land nämlich höher als bei den Handelspartnern, so wird es immer teurer zu produzieren. Ein Exporteur bezieht die meisten Vorleistungen im Inland und erzielt seine Erträge im Ausland. Ist die Inflation im Inland höher, bedeutet dies, dass seine Kosten stärker steigen als seine Erträge. Damit wird es für ihn immer weniger attraktiv, zu exportieren.

Vor der Einführung des Euro hätte die höhere Inflation einfach zu einer Abwertung der inländischen Währung geführt und so den negativen Effekt der Inflation auf die Wettbewerbsfähigkeit wieder kompensiert. Nach Einführung des Euro bestand aber dieser Anpassungsmechanismus nicht mehr. Zusätzlich folgte eine übermässige Ausdehnung der Staatsausgaben. Die durch den Boom kräftig sprudelnden Steuereinnahmen wurden direkt für zusätzliche Staatsausgaben genutzt. In Missachtung der Tatsache, dass sich die gestiegenen Steuereinnahmen nicht durch eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit dieser Länder rechtfertigen liess, denn er kam ja vor allem aus dem einmaligen Effekt einer massiven Zinsreduktion durch die Einführung des Euro zustande, wurden die gestiegenen Steuereinnahmen stattdessen als nachhaltig behandelt. Dadurch stieg das strukturelle Defizit in den Haushalten der GIPS-Länder weiter stark an. Die weltweite Finanzkrise traf dann die Volkswirtschaften der überhitzten GIPS-Länder wie ein Keulenschlag. Die Folge war sofort ein tief greifender gesamtwirtschaftlicher Einbruch. Entsprechend hoch viel auch der Rückgang der Steuereinnahmen aus. Die im Boom stark ausgeweiteten Staatsausgaben liessen sich aber schon aus innenpolitischen Gründen nicht entsprechend aggressiv zurückfahren, so dass die Budgetdefizite explodierten.

Diese ungünstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung, gepaart mit den unkontrollierten wachsenden Staatsverschuldungen, führte auf den Finanzmärkten zu einem schlagartigen Vertrauensverlust in die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dieser Länder. Plötzlich machte sich die Sorge breit, dass die GIPS-Länder gar nicht mehr in der Lage sein könnten, ihre Zinszahlungen zu leisten und die Schulden zurückzuzahlen. Bereits ab Ende 2008 begannen die Finanzmärkte die Überschuldungsprobleme der vier Länder zu erkennen, die in den Jahren zuvor inexistenten Risikoprämien stiegen nach dem Konkurs von Lehman Brothers spürbar an. 2010 aber, als sich die finanzielle Lage der GIPS-Länder weiter verschlechterte, brach die Krise voll aus.

2011 belasteten die Staatsschulden fast das ganze Jahr über die Börsenkurse. Äusserst dramatisch wurde es insbesondere im Monat August. Dank der engen Begleitung der ausgesuchten Aktienfonds konnten wir den Augustabsturz relativ schnell erkennen und mit dem Verkauf einzelner Positionen die plötzlich dramatisch fallenden Aktienfondskurse stoppen. Keine Frage, der Kurssturz an den Börsen wurde durch die technischen Handelssysteme beschleunigt und verschärft. Diese verkaufen beim Unterschreiten bestimmter Kursmarken Wertpapiere ganz automatisch und bei weiteren fallenden Kursen wiederholt sich der Vorgang! Der plötzliche Kurssturz hatte aber mit den vielen Staatsverschuldungen auch reale Ursachen. Die in den Depots verbleibenden Aktienfonds ertrugen ihre Verluste nur deshalb, weil diese Aktienfonds bis zum August zweistellige Renditen ausweisen konnten und alleine nur durch die Währungsverluste belastet waren.

Womit wir nahtlos beim zweiten börsenkursbelastenden Problem des vergangenen Jahres angelangt sind. – Aber endlich am 6. August intervenierte die SNB und der Schweizer Franken wurde mit 1.20 gegenüber dem EURO abgeschwächt, nachdem wir zwischenzeitlich sogar einen eins zu eins Stand ertragen mussten! Dank der schnellen Neuausrichtung der Wertschriftendepots konnten wir von den günstigen Fondskaufkursen und dem Wiederanstieg aller Auslandswährungen bereits wieder vollumfänglich profitieren! Am 20. Oktober 2011 folgte die Entscheidung der EU-Länder für eine teilweise Abschreibung der Schulden Griechenlands. Mit dieser dringenden Massnahme gewann man sofort neues Vertrauen in die Aktienmärkte! So folgte doch noch ein etwas versöhnlicher Herbst!